2026-05-23 –, Jurte Language: Deutsch
Zunehmend institutionalisiert, hat sich in Brandenburg ein Gewalthilfesystem entwickelt, dass weiter "Mut zur Lücke" riskieren muss.
NBF, FHK, bff, MASGZ, MIK, PP – wer hier noch durchblickt, ist schon fast Teil des
Systems. Schon lange vor dem Gewaltschutzgesetz, Istanbulkonvention und dem
neuen Gewalthilfegesetz ist ein Netzwerk entstanden, das schützen soll – aber nicht
immer leicht zugänglich ist und zunehmend institutionalisiert wird.
Vor allem Politiker*innen hören nicht zu und agieren erst, wenn es eigentlich schon
zu spät ist. Autonome Frauenhäuser, Wohlfahrtsverbände, Polizei und Ministerien
arbeiten mal zusammen – dann wieder aneinander vorbei. Aber auch untereinander
gibt es Zoff. Zuständigkeiten sind ungeklärt, Bewegung verursacht Unsicherheiten.
Und dann is da noch der Weiße Ring…
Seit dem 1.11.2025 bin ich Teil dieses Systems und komme manchmal aus dem
Staunen nicht heraus. Dieser Vortrag schaut dorthin, wo Gewaltschutz konkret wird:
in Kooperation, Konflikte und Lücken. Und zu den Frauen, die jeden Tag dafür
sorgen, dass Hilfe trotzdem ankommt.
Ich arbeite in Brandenburg für einen großen Wohlfahrtsverband an der Schnittstelle von Gleichstellung, Antidiskriminierung und Gewaltschutz. Meine Stationen reichen von Hochschul- und Geschlechterpolitik über Diversitätsarbeit gegen Homo- und Transfeindlichkeit bis hin zu vielfaltssensibler Verbandsarbeit, Familienarbeit und heute dem Aufbau einer (von zwei) neuen BIK-Stelle im Frauengewaltschutz in Brandburg. Als endo, (more or less) hetero, cis Frau mit vergleichsweise wenig eigener Diskriminierungserfahrung nutze ich meine privilegierte Position, um mich beruflich für die Rechte derjenigen einzusetzen, die sich in Brandenburg nicht so selbstverständlich sicher und sichtbar bewegen können – und bin sehr froh, dass ich für den Großteil dieser Arbeit sogar bezahlt werde.
