2026-05-24 –, Terrasse Language: Deutsch
Politische Arbeit, bezahlt oder nicht, ist oft mit dem Wunsch verbunden, herrschende Systeme kritisch zu hinterfragen und zu ihrer Überwindung beizutragen. Doch stabilisiert solches Engagement nicht genau diese Systeme, etwa migrationsrechtliche Beratung, politische Bildung oder staatlich geförderte Drogenhilfe? Ein diskursiver Workshop.
Teilnehmende gestalten den Raum aktiv mit. Wir bringen Thesen mit und freuen uns auf eine gemeinsame kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Praxis.
Wir sind Max, Sophie und Franzi und arbeiten in unterschiedlichen politischen Bereichen. Uns beschäftigt die Frage, wie man damit umgeht, dass die eigene Praxis oft zur Stabilisierung jener Systeme beiträgt, die man eigentlich kritisiert – während ihre Verweigerung zugleich konkrete Unterstützung verhindern würde.
Max (er/ihm) ist seit Jahren in der Migrationsrechtsberatung aktiv. Hier zeigt sich ein grundlegender Widerspruch: Beratung hilft Ratsuchenden, greift dabei aber auf genau jene rechtlichen Strukturen zurück, die problematisch sind. Gleichzeitig entlastet sie den Staat, der diese Strukturen erst geschaffen hat. So entsteht eine paradoxe Rolle zwischen notwendiger Unterstützung und systemstabilisierender Praxis.
Sophie (sie/ihr) arbeitet in der akzeptierenden Drogenhilfe. Auch hier kollidiert der Anspruch vorurteilsfreier Unterstützung mit Abhängigkeiten von staatlicher Finanzierung. Politische Erwartungen und Restriktionen erzeugen indirekt Druck, der an Klient*innen weitergegeben werden kann. Die Arbeit bewegt sich damit zwischen Hilfe und sozialpolitischer Kontrolle.
Franzi (sie/ihr) ist politische Bildnerin. Bildungsarbeit gegen Diskriminierung bleibt oft punktuell und ausgelagert, während strukturelle Verantwortung bei Schulen kaum verändert wird. Externe Angebote kompensieren Defizite, können sie aber nicht nachhaltig auflösen und tragen so zur Stabilisierung bestehender Verhältnisse bei.
Im Workshop wollen wir diese Dilemmata gemeinsam diskutieren. Wir geben kurze Inputs und laden die Teilnehmenden ein, ihre eigenen Erfahrungen einzubringen und mögliche Umgangsweisen zu reflektieren.
Max hat in den letzten 15 Jahren an einigen Hedo-Kongressen teilgenommen, war lange beim Späti und später bei den Sternchen aktiv. Seit sieben Jahren ist er im Migrationsrecht tätig, zeitweise in Form von Lohnarbeit, aber durchgehend als ehrenamtlicher Berater für die Refugee Law Clinic Berlin.
