Weltkongress der Hedonistischen Internationale

Weltkongress der Hedonistischen Internationale

Cope it real - zur Rolle authentischer Konfliktbearbeitung im Gangsta-Rap
29.05.2022 , Bälleton
Sprache: Deutsch

In dem Vortrag werden Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt vorgestellt, in welchem die Relevanz von Authentizität in der Berabeitung von Konflikten aus der Perspektive von Gangsta-Rap-Rezipient*innen rekonstruiert wird. Da im Gangsta-Rap auch diskriminierende Inhalte eine Rolle spielen, die im Kontrast zu linksautonomen Grundsätze stehen, stellt sich die Frage nach einer emanzipatorischen Kritik, welche jedoch keine stigmatisierende Logik reproduziert.


Gangsta-Rap wird von einem öffentlichen Skandalisierungsdiskurs begleitet, in welchem die vermeintliche Wirkung der u.a. als gewalt- und kriminalitätsverherrlichend beschriebenen Inhalte auf jugendliche Rezipientinnen problematisiert werden. In diesem Zusammenhang werden dominante Deutungsmuster von Kriminalität und Abweichung herangezogen und die Sozialfigur des Gangsta-Rappers einhergehend als "Gefahr für die gesellschaftliche Ordnung" stilisiert.
In direkter Verbindung mit der Thematisierung von Gangsta-Rap ist insbesondere eine krisenhafte Berichterstattung über junge migrantisierte Männer mit vermeintlich hoher Affinität zur (Gewalt-)Delinquenz zu beobachten. Die in diesem Zusammenhang herangezogenen traditionellen Zuschreibungen von Kriminalität und Abweichung und deren selektive Anwendung auf Gruppen, die oftmals eine marginalisierte Stellung in der Gesellschaft einnehmen, werden wiederrum wechselseitig von Gangsta-Rapper
innen aufgegriffen. Wie jedoch Rezipient*innen sich in ihren Identitätspraktiken auf Gangsta-Rap beziehen und welche Bedeutung Gangsta-Rap für sie hat, ist durch fehlende Forschung bisher weitgehend unergründet. In dem Vortrag werden erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt vorgestellt, für welches Gangsta-Rap-affine Jugendliche ethnographisch begleitet werden. Es geht primär um die Frage, welche Konflikte für die Jugendlichen selbst von Relevanz sind und wie diese - vor dem Hintergrund der hohen Relevanz von Authentizität ("keep it real") im HipHop - bearbeitet werden.

Doktorandin im SFB "Populäre Kulturen" an der Uni Siegen.
Arbeitet wissenschaftlich und aktivistisch zu den Schwerpunkten: Kritische Kriminologie, Transformative Justice & Community Accountability, Konfliktforschung, HipHop-Studies.